Der MB CLS 320 CDI vor dem Konradin Verlag Foto: Frank Herrmann
Die amerikanische TV-Serie „Pimp my Ride" über das nachträgliche Aufmotzen von Alltagsautos war Kult. Bei Mercedes-Benz gibt's das ab Werk. Eine flach gebügelte und schön eingekleidete E-Klasse, die auf den Namen CLS hört.
Der MB CLS 320 CDI vor dem Konradin Verlag Foto: Frank Herrmann
Kfz- Testbericht Mercedes- Benz CLS 320 CDI: Limousine als Coupé

Pimp my Ride!

Der Fond wartet für zwei Passagiere mit allerlei Komfortablem auf – inklusive Bein- und Kopffreiheit
Der Fond wartet für zwei Passagiere mit allerlei Komfortablem auf – inklusive Bein- und Kopffreiheit
Vorne ruhen die Augen auf routinierter und hochwertiger Großserientechnik
Vorne ruhen die Augen auf routinierter und hochwertiger Großserientechnik
Quelle allen Vergnügens: Der muntere V6-Dieselmotor mit direkter Einspritzung
Quelle allen Vergnügens: Der muntere V6-Dieselmotor mit direkter Einspritzung

Die amerikanische TV-Serie „Pimp my Ride" über das nachträgliche Aufmotzen von Alltagsautos war Kult. Bei Mercedes-Benz gibt's das ab Werk. Eine flach gebügelte und schön eingekleidete E-Klasse, die auf den Namen CLS hört.

Der Mercedes-Benz CLS besetzt eine Nische, die es eigentlich gar nicht gibt. Das aber sehr erfolgreich. Er gibt das elegante Coupé, ist aber im Grunde seines Herzens eine biedere E-Klasse. Das hindert die Mercedes-Produktkommunikation nicht, große Worte über die Vorzüge des CLS in die Welt hinaus zu posaunen: „ Neuartiges Fahrzeugkonzept, das erstmals die Eleganz und Dynamik eines Coupés mit dem Komfort und der Funktionalität einer Limousine verbindet". Jürgen Hubbert, ehemaliger Mercedes-Chef, hatte den CLS bei seiner Präsentation gar als eine „ Coupé-Generation" tituliert.

Derivat der E-Klasse

Nüchtern betrachtet ist der CLS ein klassisches Derivat der E-Klasse und eigentlich gar kein Coupé. Das hat laut Definition immer zweitürig zu sein, der CLS bietet aber vier Einstiegsöffnungen. Doch genug der Haarspaltereien: Die gestreckte Statur, das kuppelförmige Dach, die rahmenlosen Seitenscheiben sowie die grundlegend andere Inneneinrichtung – und nicht zuletzt die bereits 100 000 verkauften Einheiten geben dem CLS eine Daseinsberechtigung neben Limousine und T-Modell der E-Klasse. Ob das Außendesign schön ist, bleibt Geschmackssache. Schon innerhalb der KEM-Redaktion gingen dazu die Meinungen auseinander. Einig war man sich jedoch über die schlechte Übersicht und die viel zu kleinen seitlichen Fensterflächen. Beim Rangieren ist die Einparkhilfe unentbehrlich, will man nicht an anderen Autos, Hauswänden oder sonstigen Hindernissen anecken.

Innenraum exklusiv gestylt

Auch innen hebt sich der CLS mit fließenden Formen und schönen Schwüngen vom leicht drögen E-Klasse-Design ab. Die Mittelkonsole mäandert ohne Unterbrechung bis in die Rückenlehnen im Fond und trennt die beiden Einzelsitze im Fond optisch voneinander. Manko: Ein eventueller fünfter Passagier muss draußen bleiben. Die beiden Glücklichen im Fond freuen sich aber über genügend Kopffreiheit und komfortabel konturierte Einzelsitze. Alle vier Passagiere kommen in den Genuss des Soundsystems von Harman Kardon. Es basiert auf einer Mehrkanal-Surround-Technik. Mithilfe einer Matrix berechnen die Prozessoren die hinterlegten Surround-Anteile aus den Stereosignalen der Klangquelle heraus und verteilen sie entsprechend auf die Ausgangskanäle des Systems.

Die Klangverteilung erfolgt auf Basis der ursprünglichen akustischen Intention der Musikaufnahme und speziell abgestimmt auf den CLS-Innenraum. Die Zuhörer bekommen so den Eindruck eines größeren Raumes mit sehr weiter Klangbühne. Damit mutiert der CLS zu einem mobilen und klimatisierten Konzertsaal.

Gehobenen Ansprüchen genügen auch die Oberflächen in Leder, Chrom und Holz.

Hier war der Innenraum-Spezialist Dräxlmaier gefragt. Er fertigt zum Beispiel die mit Leder bezogene Instrumententafel. Das Leder wird von Hand vernäht und dann teilautomatisiert mit den Trägerbauteilen verklebt. Für das Zierteil aus Holz, das über die gesamte Breite der Tafel verläuft, wählte man einen Träger aus Magnesium-Druckguss. So ist es selbst bei extremen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswechseln immer noch ausreichend maßhaltig und erfüllt die Crashanforderungen.

Nachmachen: Testverbrauch 7,7 l Diesel

Nach etwa 2500 km Testbetrieb für die KEM blieb die Verbrauchsanzeige auf 7,7 l Diesel pro 100 km stehen. Nicht schlecht für einen 1,8-Tonner mit 245/45-Reifen auf 17-Zoll-Rädern. Der 3-l-Diesel Motor (nicht 3,2 l, wie die Modellbezeichnung suggeriert) kommt mit dem Gewicht gut zurecht, wuchtet er doch 540 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle. Das geschieht in Kombination mit dem Siebengang-Automatikgetriebe mit einer Unaufgeregtheit, dass man bereits von Souveränität sprechen kann. 165 kW (224 PS) Leistung, 7,0 s von 0 auf Tempo 100 und 250 km/h Höchstgeschwindigkeit verdeutlichen das Potenzial des V6-Dieselaggregats mit direkter Einspritzung des Kraftstoffs.

Für diese Arbeit sind übrigens Einspritzventile mit Piezotechnik zuständig, genauso wie beim CLS 350 CGI. Dieses Modell hat ebenfalls einen V6-Motor, allerdings nach dem Ottoprinzip und mit „echten" 3,5 l Hubraum. Mercedes-Benz spricht seit 2006 stolz vom „weltweit ersten Benzinmotor mit Direkteinspritzung und strahlgeführtem Brennverfahren". Dabei wird der Kraftstoff direkt als kleine Gemischwolke in den Bereich der Zündkerze gesprüht. Nur im Rand der Wolke kann die Kerze die Verbrennung starten, das Innere ist extrem mager und wird vom Rand entzündet. Für das strahlgeführte Brennverfahren des 350 CGI verspricht Mercedes-Benz hingegen bis zu 10 % Kraftstoffersparnis. Im europäischen Fahrzyklus konsumiert der 350 CGI 9,1 bis 9,3 l Benzin. Sein Sparpotenzial schöpft der CGI-Motor vor allem im „Magerbetrieb" aus, wenn er bei Teillast in der Wolke mit hohem Luftüberschuss operiert.

Angenehmer Reisebegleiter

Doch zurück zum Diesel. Mit seinem 80-l-Tank ermöglicht der CLS 320 CDI ohne Tankstopp Reisen von etwa 1000 km. Zusammen mit den bequemen Sitzen und der angenehmen Inneneinrichtung bietet der CLS damit idealen Langstreckenkomfort. Ein unüblich großer 500-l-Kofferraum gewährleistet, dass auch genügend Urlaubsgepäck mitreisen kann. Fahrwerksseitig ist der CLS etwas straffer abgestimmt als die E-Klasse, aber immer noch sehr komfortabel. Bedingt durch seine Größe (4,91 m lang, 2,85 m Radstand) kann man auf engen Landstraßen aber keine fahrdynamischen Wunder erwarten.

Mit den beim KEM-Test präsentierten Eigenschaften empfiehlt sich der CLS als flotter Reisebegleiter und die sportlichere Variante der E-Klasse. Diesen Imagevorsprung lässt sich Mercedes-Benz honorieren. Mit mindestens 58 905 € ist der CLS 320 CDI gut 9000 € teurer als eine Limousine der E-Klasse mit gleicher Motorisierung. Die anderen deutschen Automobilhersteller reagieren auf den CLS übrigens mit eigenen großen Coupés. BMW entwickelt auch an einem viertürigen Coupé. Bisher hat der Erzrivale von Mercedes die 6er-Baureihe als knapp geschnittenen 2+2-Sitzer und Zweitürer im Programm. Audi hat in diesem Frühjahr sein zweitüriges A5-Coupé vorgestellt, das allerdings unterhalb des CLS rangiert. Ins gleiche Segment drängt künftig auch VW mit seinem Passat-Coupé, jedoch wie der CLS mit vier Türen.

www.kem.de

MB CLS-Klasse KEM 551

Soundsystem CLS KEM 552

Innenausstattung CLS KEM 553

Der Autor und Testwagenfahrer Dipl.-Ing. Jürgen Goroncy ist freier Mitarbeiter der KEM

13.09.2007


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