Der Dacia Logan vor dem Konradin Verlagsgebäude in Leinfelden Foto: Frank Herrmann
Mit der Billigmarke Dacia mischt Renault die europäische Automobilszene seit 2005 kräftig auf. Der seit 2007 erhältliche Logan MCV bietet beispielsweise ein fast unschlagbares Preis-Nutzraum-Verhältnis. Auf einen Nenner gebracht: der Dacia Logan MCV ist der Karpaten-Kombi für die einfachen Dinge des Lebens.
Der Dacia Logan vor dem Konradin Verlagsgebäude in Leinfelden Foto: Frank Herrmann
Kfz-Testbericht Dacia Logan MCV

Maximaler Minimalismus

Großes Gepäckabteil, aber durch eine Stufe geteilt Das Cockpit ist schlicht, aber gut ablesbar
Großes Gepäckabteil, aber durch eine Stufe geteilt Das Cockpit ist schlicht, aber gut ablesbar
Das Interieur ist nüchtern, aber zweckmäßig gestaltet
Das Interieur ist nüchtern, aber zweckmäßig gestaltet
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Mit der Billigmarke Dacia mischt Renault die europäische Automobilszene seit 2005 kräftig auf. Der seit 2007 erhältliche Logan MCV bietet beispielsweise ein fast unschlagbares Preis-Nutzraum-Verhältnis. Auf einen Nenner gebracht: der Dacia Logan MCV ist der Karpaten-Kombi für die einfachen Dinge des Lebens.

Was ist das Erfolgsrezept der Marke Dacia? Ganz einfach: man nehme bewährte, aber etwas angejahrte Großserientechnik der Konzernmutter Renault, bastle in Rumänien mit simpelsten Mitteln ein Blechkleid im 90er-Jahre-Look darum, achte auf solide Qualität und verzichte konsequent auf jeden Luxus. Fertig ist ein bodenständiges Auto mit hohem Alltagsnutzen, das die deutsche Premium-Manie auf fast subversive Art und Weise konterkariert. Und das Schlimme für die teutonischen Perfektionisten: die Kunden in Deutschland kaufen wie verrückt und haben die Dacia-Verkaufszahlen aus dem Stand innerhalb von drei Jahren auf Augenhöhe mit denen von Mini, Mitsubishi und Volvo gehievt.

Nutzwert-Frage: Kombi mit schrägem Heck

Während der Logan als Stufenheck-Limousine und der Kompaktwagen Sandero die automobilen Grundbedürfnisse abdecken, ist der Logan MCV der Lademeister in der Familie. Seine kastenförmige und geradlinige Karosserie ist der absolute Gegenentwurf zu den Lifestyle-Kombis, die durch ihr coupehaft geschwungenes Dach zwar schick aussehen mögen, aber nur begrenzten Nutzwert haben. Anders der Logan MCV. Große Fensterflächen bieten beste Rundumsicht und durch die fast senkrecht abfallenden Außenwände kann der Fahrer gut einschätzen, wo die Karosserie zu Ende ist. Innen erwartet die Gäste ein großzügiger Sitz- und Laderaum. Immerhin ist der MCV auf Wunsch mit einer dritten Sitzreihe erhältlich, was unterhalb von 4,50 m Außenlänge äußerst selten ist. Die Kopffreiheit ist gut, auch das Ladeabteil ist ausreichend hoch. Allerdings ist die Laderaumbreite und -länge nur durchschnittlich. Faltet man die Fondsitze zusammen und verstaut sie hochkant hinter der Fahrer- und Beifahrerlehne, entsteht zwar eine große Ladefläche, aber mit einer unschönen Stufe. 700 bis 2350 l Ladevolumen (beim Siebensitzer noch knapp 200 l) sind dennoch Spitze, und die knapp 530 kg Zuladung lassen dem Transporteur viel Freiheit.

Vier Fensterheber und Klimaanlage

Die Sitze sind auch auf längeren Strecken bequem und bieten ausreichend Halt. Selbst in der dritten Reihe können sich Erwachsene auf längeren Strecken kommod räkeln. Etwas trister fällt da der Blick auf die Armaturentafel mit ihrem Neunziger-Jahre-Nutzfahrzeug-Charme aus. Aber alles ist am rechten Platz und funktionell eingerichtet. Die Ausstattung beim Testwagen – die hochwertige Laureate-Version – entspricht dem klassenüblichen Standard (Klimaanlage, CD-Radio, Bordrechner, vier Fensterheber), in der Grundversion geht's auch ohne. Gespart wird im Detail. Beispielsweise fehlt beim CD-Radio von Blaupunkt die Funktion, die Verkehrsnachrichten immer automatisch vor anderen Audio-Quellen priorisiert oder bei minimaler Lautstärke auf laut stellt. Und der Drehzahlmesser hat keinen roten Bereich und geht selbst bei der Diesel-Version bis 7000 Umdrehungen – ein Gleichteil zu den Benziner-Modellen. Bei der Verarbeitung indes wurde der Rotstift nur maßvoll eingesetzt, alles wirkt solide und klapperfrei. Natürlich fallen die Türen nicht mit einem so satten Plopp wie bei einem Audi ins Schloss, aber beispielsweise die Windgeräusche beim Fahren sind überraschend gering. Wirkliche Abstriche sind lediglich bei der Innenraumakustik zu machen. Durch das große Raumvolumen und die geringe Dämmung entsteht ein lästiges Dröhnen, sobald sich der Motor anstrengen muss.

Verbrauch: Fünf Liter Diesel

Der 1,5-l-Dieselmotor von Renault entwickelt mit seiner Common-Rail-Einspritzanlage von Delphi 63 kW (86 PS) Leistung, was den Logan MCV zwar nicht zum Sportwagen, aber auch nicht zu einem Verkehrshindernis macht. Das Aggregat geht munter zu Werke, bedingt durch die geringe Dämmung für die Passagiere aber auch deutlich hör- und spürbar. Angesichts der nicht besonders aerodynamischen Karosserie ist der KEM-Testverbrauch von 5 bis 5,5 l/ 100 km sehr gut, zumal ein gehöriger Anteil auf Autobahnen gefahren wurde. Bei zurückhaltendem Gasfuß dürften Verbräuche unter 5 l möglich sein, was nicht zuletzt am fehlenden Dieselpartikelfilter liegt. Er würde durch den höheren Abgasgegendruck und seine Reinigungsintervalle den Verbrauch spürbar anheben.

Leider ist der Rußfilter nicht für Geld und gute Worte zu bekommen, ebensowenig wie ein ESP. Hier verursacht der Spardrang dann Unbehagen, da ESP im Ernstfall durchaus Leben retten kann. Zur Ehrenrettung des Logan MCV sei gesagt, dass er ein berechenbares Fahrverhalten an den Tag legt und den Fahrer die fahrdynamischen Grenzbereiche rechtzeitig spüren lässt. Auch die Traktion auf Eis und Schnee ist – bedingt durch die schmalen 185-Reifen – tadellos. In der Stadt gereicht der lange Radstand von 2,90 m zum Nachteil, da der MCV nur recht unwillig um die Ecke biegt, und der Wendekreis eher an eine Luxuslimousine erinnert.

Zu unterbieten: 8500 Euro

Die Miene des Logan-Fahrers dürfte sich bei den moderaten Unterhaltskosten wieder aufhellen. Spätestens dann wird er sich auch wieder an sein Erstaunen beim Kaufprozess erinnern. Nur 8500 € für dieses solide, praktische und geräumige Auto. Gut, das ist das absolute Basismodell für asketische Pfennigfuchser. Aber auch mit Annehmlichkeiten wie Radio und Klimaanlage und mit der stärkeren Dieselversion (es gibt zusätzlich noch den 50 kW/63 PS-Diesel) ist der Logan MCV für weit weniger als 15 000 € zu haben – Listenpreis! Welcher andere geräumige Kombi oder Van bietet soviel Auto für so wenig Geld? Vielleicht noch der angejahrte Citroën Berlingo First – aber der ist auch ein Kind der neunziger Jahre. Moderne Raumwunder wie der VW Caddy, der neue Citroën Berlingo oder Renault Kangoo sind mit Dieselmotor meist wesentlich teurer, weil technisch aufwändiger und „ luxuriöser". Das interessiert den Logan MCV-Fahrer aber nicht. Er will mit ordentlich Personen und Gepäck von A nach B fahren – mehr nicht. Der Dacia Logan MCV ist das Auto für maximale Minimalisten.

www.kem.de

Dacia Logan KEM 480

Citroën Berlingo First KEM 481

Volkswagen Caddy KEM 482

Renault Kangoo KEM 483

Der Autor und Testwagenfahrer Dipl.-Ing. Jürgen Goroncy ist freier Mitarbeiter der KEM

08.05.2009


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