Kfz-Testbericht: Mini Cooper D – Lifestyle mit Ökoattitüde

Freude am Sparen

15.01.2010 // Fachartikel
Der Mini Cooper D vor dem Konradin Verlag in Leinfelden-Echterdingen Foto: Frank Herrmann
Der Mini Cooper D vor dem Konradin Verlag in Leinfelden-Echterdingen Foto: Frank Herrmann
Das Herz des frontgetriebenen deutsch-englischen Minis ist ein französischer Motor von PSA
Das Herz des frontgetriebenen deutsch-englischen Minis ist ein französischer Motor von PSA
Im mittigen großen Rundinstrument ist der Tacho, hinter dem Lenkrad der Drehzahlmesser
Im mittigen großen Rundinstrument ist der Tacho, hinter dem Lenkrad der Drehzahlmesser
Der BMW 116d ist das fahraktive Dieselmodell eine Klasse oberhalb des Mini Cooper D
Der BMW 116d ist das fahraktive Dieselmodell eine Klasse oberhalb des Mini Cooper D

Kurvenräuber! Rennsemmel! Herzensbrecher! Diesel! Diesel? Ja, im Mini Cooper D sorgt ein Heizöl-Verbrenner für Vortrieb. Und das so nachdrücklich und sparsam, dass der Fahrspaß des Riesen-Gokarts nicht angetastet, sondern lediglich in vernünftige Bahnen gelenkt wird. Welche Symbiose Dynamik und bayerischer Geiz eingehen können, das klärt unser Testbericht.

Mit einem Testverbrauch von 4,3 l ist der Mini Cooper D das genügsamste Auto, das die KEM-Redaktion bisher gefahren hat. Dabei waren wir nicht einmal besonders spritsparend unterwegs, denn die Durchschnittsgeschwindigkeit von 78,4 km/h auf eine Distanz von knapp 2 000 km zählt zu den höheren Werten in der KEM-Testhistorie. Mit ein bisschen mehr Zurückhaltung im Gasfuß hätte der Verbrauch näher an den offiziell angegebenen 3,9 l/100 km liegen können.

Dass der Mini Cooper D so genügsam ist, hat mehrere Gründe. Zunächst ist er mit seinen knapp 1200 kg eher ein Leichtgewicht. Entscheidend ist aber moderne Spritspartechnik, die der Mutterkonzern BMW aus seinem Efficient Dynamics-Programm spendiert hat. Eine automatische Start-Stopp-Funktion schaltet den Motor bei Zwangsstopps vor Ampeln oder Bahnschranken aus und wirft ihn beim Weiterfahren automatisch wieder an. Auf diese Weise lassen sich – je nach Streckenprofil – 3 bis 20 % Kraftstoff sparen. Im Paket enthalten ist auch eine pfiffige Generatorregelung, die die Lichtmaschine hauptsächlich in den Brems- und Schubphasen des Fahrzeugs zur Stromgewinnung heranzieht. Fährt der Motor unter Last, bleibt der Generator entkoppelt, um den Fahrwiderstand nicht zu erhöhen. Ein drittes wesentliches Element von Efficient Dynamics ist die Schaltpunktanzeige im Cockpit, die immer den energetisch optimalen Gang empfiehlt.

French racing Gene

Trotz dieses Sparprogramms ist der von PSA zugekaufte Motor ein recht munterer Geselle, der dank seiner 240 Nm Drehmoment und Diesel-Charakteristik den Mini zum flotten Flitzer macht. Kombiniert mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe ist schon „von unten heraus" genügend Schub vorhanden, die exakt einrastenden und kurzen Schaltwege verführen geradezu zum Gangwechsel.

Verführerisch ist auch das Fahrverhalten des Mini. Wie ein aufgeblasenes Gokart giert er ständig nach Kurven, die er herrlich direkt und präzise umrundet. Auch am Geradeauslauf gibt es nichts zu kritisieren. Wenn, dann bei der Federung, die den Fahrer nie über den Straßenzustand im Unklaren lässt. Diese harte Abstimmung macht aber einen Großteil des Kurvenräuber-Feelings aus.

Bahnhofsuhr erschlägt Armaturenbrett

Verbesserungswürdig erscheint das mittig angebrachte Rundinstrument in Größe einer Bahnhofsuhr, die das Armaturenbrett förmlich erschlägt. Seine grafischen Elemente sind so gestaltet, dass die Geschwindigkeit trotz riesengroßer Skalen und Zeiger nur mit hoher Konzentration ablesbar sind. Kurios ist, dass auf dem kleinen Bordrechner-Display hinter dem Lenkrad immer eine etwas andere Geschwindigkeit angezeigt wird. Das dürfte auf einen Parallaxenfehler zurück zu führen sein, der infolge des schrägen Blickwinkels auf den Tacho eine andere Geschwindigkeit vorgaukelt. Knallharte Realität am Mini ist hingegen das beschränkte Platzangebot im Fond und Kofferraum, der diese Bezeichnung eigentlich nicht verdient. Hier können andere Kleinwagen mehr.

Dafür hält sich BMW bei der Ausstattungs- und Preispolitik nicht so zurück. 20 800 € für das Basisfahrzeug Mini Cooper D sind schon stattlich. Dass aber selbst ein CD-Radio, ein Heckspoiler oder ein Bordcomputer noch Aufpreis kosten, ist etwas frech. Vollends für Kopfschütteln sorgte der Gesamtpreis des aufwändig ausstaffierten Testwagens: etwa 30 000 €, und das noch ohne teures Navigationssystem.

Nur der Kleine ist Prince Charming

Wer es bei den Bajuwaren gerne eine Nummer größer haben will, sollte den 116d wählen. Er bietet mit 85 kW und 260 Nm etwas bessere Motorenwerte, hat ein ähnlich präzises Fahrverhalten, aber mit Hinterradantrieb und braucht mit 4,4 l Diesel pro 100 km nominell nur einen halben Liter mehr. In der KEM-Testpraxis waren es dann 5,3 l. Auch hier ist Efficient-Dynamics segensreich am Werk. Zur Generatorregelung, Start-Stopp-Funktion und Schaltpunktanzeige gesellen sich beim 116d Reifen mit reduziertem Rollwiderstand eine elektrische Lenkunterstützung, eine geregelte Ölpumpe, eine Steuerung der Kühlluftklappe sowie ein abkoppelbarer Klimakompressor.

Für den Urlaub zu zweit reicht das Kofferraumvolumen aus, das etwas gutmütigere Federungsverhalten spricht auch den komfortabler orientierten Passagier an. Er dürfte auch eher über die finanziellen Mittel verfügen, denn zu den 24 200 € €Basispreis kommen noch etliche wünschenswerte Sonderposten, so dass 35 000 € €schnell erreicht sind. Und das für einen Kompaktwagen. Solche Dimensionen sind in Krisenzeiten eine Gratwanderung und nur zu begründen, wenn neben dem reellen ein ideeller Gegenwert geboten wird. Beim Mini ist er mit seinem jugendlichen, metropolitanen Image und seiner sympathisch-frechen Erscheinung ohne Zweifel vorhanden. Der BMW 116d hat als Alleinstellungsmerkmal „nur" den Heckantrieb und damit verbunden das andere Fahrverhalten. Ob das reicht?

Online-Info

www.kem.de/0110428

Der Autor und Testwagenfahrer Jürgen Goroncy ist freier Mitarbeiter der KEM


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