Praxisgerechte Methoden des Systems Engineerings

Interdisziplinär entwickeln im Mittelstand

Dr.-Ing. Roman Dumitrescu, Geschäftsführer it´s OWL Clustermanagementit´s OWL Clustermanagement GmbH und Leiter Produktentstehung der FraunhoferFraunhofer-Projektgruppe Entwurfstechnik Mechatronik Bild: it's OWL
Dr.-Ing. Roman Dumitrescu, Geschäftsführer it´s OWL Clustermanagementit´s OWL Clustermanagement GmbH und Leiter Produktentstehung der FraunhoferFraunhofer-Projektgruppe Entwurfstechnik Mechatronik Bild: it's OWL
Motivation für die Gründung der Fachgruppe Systems Engineering im Spitzencluster it's OWL war, insbesondere dem Maschinen- und Anlagenbau für das Systems Engineering spezifisch angepasste und erprobte Methoden und Tools zur Verfügung zu stellen.

Nur gemeinsam und in einem ständigen Erfahrungsaustausch könne man Systems Engineering in den Maschinenbau bringen, sagte Martin Kannegiesser anlässlich der Gründungsveranstaltung der Fachgruppe Systems Engineering bei KannegiesserKannegiesser in Vlotho im August 2014. Hauptziel der Fachgruppe ist es – zusätzlich zu den zahlreichen Innovations- und Forschungsprojekten des Clusters – den Mittelstand fit für die Herausforderungen der Produktentstehung von morgen zu machen; natürlich auf Basis von Systems Engineering (SE). Um dieses Ziel zu erreichen, wurden verschiedene Arbeitskreise eingerichtet. Die Breite des SE-Ansatzes kann so in handhabbaren und überschaubaren Handlungsfeldern zielgerichtet bearbeitet werden. Die Schwerpunktthemen der Fachgruppe spiegeln sich in vier Arbeitskreisen wider:

· Anforderungs-Engineering

· Methoden: Model-Based Systems Engineering (MBSE)

· Soft Facts | Organisation | Kommunikation

· Werkzeuge | Datenmanagement

Die Zusammenarbeit in der Fachgruppe ist so organisiert, dass es für jeden Arbeitskreis einen Paten aus dem Teilnehmerkreis der Unternehmensvertreter gibt, der durch einen wissenschaftlichen Begleiter der Fraunhofer-Projektgruppe Entwurfstechnik Mechatronik unterstützt wird. Dieser Modus ermöglicht eine Konzentration auf die Bedarfe der Praxis unter Berücksichtigung aktueller Entwicklungen im SE, die durch ein kontinuierliches Themenfeld-Monitoring von Fraunhofer identifiziert werden. Gemeinschaftlich werden auf diese Weise disziplinübergreifende Methoden für die Entwicklung von intelligenten technischen Systemen diskutiert und angepasst, um sie in einem weiteren Schritt in die Produktentstehung des Maschinen- und Anlagenbaus zu integrieren.

Das Paradigma des Systems Engineerings findet seit Jahrzehnten in der Luft- und Raumfahrt und der Verteidigungsindustrie Anwendung, hat sich dort durchgesetzt und wird auch kontinuierlich weiterentwickelt. Normen wie die ISO 15288 und Handbücher wie beispielsweise das INCOSE SE-Handbook beschreiben die Anwendung detailliert, wobei der Fokus meist auf den oben genannten Branchen liegt. „Systems Engineering ist doch nur etwas für den Bau von Raketen und Raumschiffen", ist deswegen ein oft zu hörender Einwand. Dabei wird übersehen, dass auch die Fahrzeugindustrie das große Potential hinter SE in Bezug auf entscheidende Wettbewerbsvorteile in der globalisierten Welt erkannt hat.

Aktuell ist ein starkes Interesse an SE auch in anderen Branchen zu erkennen. Was zunächst auf den Automobilbau beschränkt war, nimmt seit einiger Zeit auch im Maschinen- und Anlagenbau Fahrt auf. Die Gründe dafür sind die zunehmende Produkt- und Prozesskomplexität bedingt durch den Wandel von rein mechanischen Systemen hin zu hochvernetzten Systemen im Sinne von Industrie 4.0. Ebenso erfordert die Veränderung der unternehmerischen Wertschöpfungsstrukturen hin zu kurzlebigen Broker-Netzwerken eine Auseinandersetzung mit dem SE. Da im Maschinen- und Anlagenbau bislang nur wenige Unternehmen Erfahrung mit SE sammeln konnten, stellt das die Branche vor enorme Herausforderungen – zumal die Investitionsbarriere im Vergleich zum wahrgenommenen Nutzen zu hoch scheint.

Systems Engineering im Maschinen- und Anlagenbau muss deswegen anders ausgestaltet sein als SE in großen Weltkonzernen: Die organisatorischen Rahmenbedingungen, die IT-Infrastruktur und die Mitarbeiterzahlen sind in mittelständischen Unternehmen nicht für den zweifelsfrei arbeitsintensiven Ansatz ausgelegt – zumal die Produkte in der Regel auftragsbezogen entwickelt und produziert werden. Entscheidend ist deshalb, dass die SE-Methoden und -Werkzeuge an die Bedürfnisse dieser Branche angepasst werden.

KEYNOTE

Anlässlich des ENGINEERING CAMPUS stellt Dr.-Ing. Roman Dumitrescu das Systems Engineering speziell mit Blick auf den Einsatz im Maschinenbau vor.

22. September 2015, 10:20 bis 11:00 Uhr

www.ipt.fraunhofer.de/mechatronik

www.produktionsforschung.de

www.its-owl.de

Das Programm des ENGINEERING CAMPUS finden Sie unter:

www.engineering-campus.de

18.08.2015


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