Von der Kunst des Ordinären
- Rundwebmaschine: Die speziell für die Zementindustrie aus- gelegte Konfektionsanlage produziert 60 Säcke in der Minute
- Jede Schutztür wird von magnetischen den Sicherheitsschaltern Psenmag überwacht
- Pnozmulti überwacht in Konfektionieranlagen sämtliche Sicherheitsfunktionen
- Das kompakte, konfigurierbare Sicherheitsschaltgerät Pnozmulti Mini erweitert die Steuerungsfamilie Pnozmulti Exklusiv in KEM Der Beitrag stammt von der Pilz GmbH & Co. KG, Ostfildern
Ein Plastiksack so meint man, sei ein einfaches, fast schon ordinäres Produkt. Doch der Eindruck trügt, denn seine Herstellung hat es in sich. Kunststoffbändchen müssen erzeugt, gesponnen und verwebt werden, ganz zu schweigen von deren Beschichtung oder Bedruckung. Zuletzt werden die Kunststoffsäcke – je nach Verwendungszweck – konfektioniert. Hinter der Produktion steht modernste Automatisierungstechnik, die höchste Sicherheitsanforderungen erfüllt. Hier erwies sich hinsichtlich Funktionalität, Anzahl der sicheren E/As und Bedienbarkeit das vorgestellte, konfigurierbare Steuerungssystem als ideal.
Mit der Serienfertigung von Rundwebmaschinen avancierte die österreichische Starlinger Group zum Exportunternehmen. Parallel wuchs das Maschinen-Portfolio – Spulmaschinen, Konfektionsanlagen, Druckmaschinen, Ballenpressen und Bändchenanlagen, Extrusionsanlagen für Bändchen sowie seit jüngster Zeit auch Recyclinganlagen für Polypropylensäcke. Weltweit sind rund 40 000 installierte Webstühle im Einsatz, die pro Jahr 2,3 Mio. t Verpackungsgewebe erzeugen.
Am Beginn eines jeden Starlinger-Maschinenparks finden sich die Extrusionsanlagen, welche die dünnen Kunststoffbändchen aus Polypropylen erzeugen. Die Bändchen – jedes mit der Reißfestigkeit von rund 5 kg – werden im Anschluss auf Spulen gewickelt und gelangen von dort auf Rundwebmaschinen, die schließlich Endlossäcke weben und auf Ballen aufrollen. Danach folgen je nach Kundenwunsch Beschichtungs- und Bedruckungsprozesse. Letztendlich landet das Endlosband in der Konfektionieranlage, wo es auf das endgültige Abmaß zugeschnitten, am Boden verschweißt und gefaltet wird. Der so entstandene Sack aus beschichtetem Polypropylengewebe wird weltweit – ausschließlich auf Starlinger-Maschinen – produziert und vertrieben. Das Gebinde kann entweder als kastenförmiger Ventilsack oder als oben offener Sack mit Kastenboden ausgelegt werden und eignet sich für alle Arten frei fließender Schüttgüter, wie Zement, Baustoffe, Kunstdünger, Chemikalien und Granulat aber auch für Mehl, Zucker und Futtermittel.
Ein Gerät für alle Sicherheitsfunktionen
Speziell für die Zementindustrie ausgelegt ist die neue Konfek- tionsanlage „ad*starKON 60". Mit ihr lässt sich der Kunststoff-Ventilsack genauso abfüllen wie ein Papiersack, bietet dabei aber die benötigte höhere Festigkeit. Neben zahlreichen neuen mechanischen Features bietet die Konfektionsanlage auch modernste Automatisierungstechnik – inklusive der aktuellen Normen entsprechender Sicherheitseinrichtungen.
Während Starlinger in der Vergangenheit mit den klassischen Sicherheitsrelais und Schaltgeräten auskam, machte es die die Komplexität der neuen Konfektionsanlage notwendig, sich nach einer effizienten und kostengünstigen Lösung für die Sicherheitstechnik umzusehen. „Wir haben Pnozmulti bei unserer Prototypenanlage intensiv getestet und kamen dabei schnell zum Schluss, dass dieses Gerät sich hinsichtlich seiner Dimension und Funktionalität ideal eignet", erinnert sich Thomas Schramböck, zuständig für das Engineering der Sicherheitstechnik der „ ad*starKON 60".
Das konfigurierbare Steuerungssystem überwacht alle Sicherheitsfunktionen der Anlage, und das sind nicht wenige. Denn der Großteil der Anlage ist mit einer Schutzumhausung versehen, die mehrere Schutztüren enthält. Deren Stellung und Position werden von bis zu 25 berührungslosen, magnetischen Sicherheitsschalter des Typs „Psenmag" überwacht, wobei das „ Pnozmulti" die Signale auswertet. Sicherheitsschalter Psenmag lassen sich durch ihre kompakte Bauform platzsparend installieren. Stecker und Kabel für alle Montage- und Anfahrrichtungen sowie ein gesicherter Schaltabstand von 3 beziehungsweise 8/10 mm ermöglichen einen flexiblen Einbau und eine schnelle Installation.
Weiterhin überwacht das konfigurierbare Steuerungssystem bis zu 14 Not-Halt-Taster sowie die Zweihand-Bedienungseinrichtung. Diese wird nur beim Justieren der Maschine verwendet und wurde im Software-Tool von Pnozmulti, dem Pnozmulti- Configurator, so konfiguriert, dass sie auch dann frei gegeben wird, wenn die Schutztür in diesem Bereich offen ist.
Bereits das Basisgerät des Pnozmulti bietet 20 frei konfigurierbare Eingänge, vier Halbleiter-Ausgänge und zwei Relais-Ausgänge und kann bis zu 14 Sicherheitsfunktionen übernehmen. Zum modularen Ausbau stehen verschiedene Erweiterungsmodule zur Verfügung, die sich je nach Anforderung beliebig kombinieren lassen: Ein- und Ausgangsmodule für Standardsteuerungs- und Sicherheitsfunktionen, Feldbusmodule für den Anschluss an alle gängigen Feldbussysteme, sichere Drehzahl- und Stillstandswächter, abgenommene Software-Bausteine, Muting-Funktionalitäten und viele weitere Features.
Einfache Diagnose und Handhabung
Durch den Einsatz von Kommunikationsmodulen für alle gängigen Feldbussysteme ergeben sich komfortable Diagnosemöglichkeiten. Auch die digitale Anbindung des Pnozmulti an die übergeordnete Steuerungstechnik der Anlage ist dank der offenen Schnittstellen problemlos möglich. So lassen sich die Sicherheitsfunktionen einfach auswerten und protokollieren, die dynamische Statusanzeige zeigt den Online-Schaltzustand der Eingänge, Ausgänge, internen Verknüpfungen und Status-LED des Basisgerätes an. „Wir schätzen aber auch sehr die LED am Gerät selbst. Denn die Bediener unserer Anlagen sind meist keine Elektrotechniker, da sind zur schnellen Diagnose Lichtsignale, die es ermöglichen, auf einen Blick Auskunft über den Zustand der einzelnen Eingänge zu erhalten, schon sehr hilfreich", weiß Thomas Schramböck.
Bei Pnozmulti wird die Sicherheitsschaltung statt umständlich zu verdrahten mit dem grafischen, intuitiv bedienbaren Softwaretool Pnozmulti-Configurator ganz einfach am PC erstellt. Das reduziert den Verdrahtungsaufwand erheblich: den einzelnen Eingängen lassen sich sehr schnell entsprechende Funktionen zuweisen. „Und das Programm denkt sogar mit, wenn man Funktionen verschalten will, die nicht zulässig sind, wird man sofort darauf aufmerksam gemacht beziehungsweise lässt die Software das gar nicht zu – insofern kann man gar keinen Fehler machen", ergänzt Thomas Schramböck.
Das so erstellte Projekt wird auf einer Chipkarte gespeichert – dies erleichtert das Handling sowohl im Serienmaschinenbau als auch bei eventuellen Änderungen der Konfiguration für laufende Maschinen beim Kunden. Diese bekommen jeweils nur eine neue Chipkarte, die dann lediglich gegen die bisher verwendete ausgetauscht wird.
Bei der Starlinger-Group denkt man bereits über eine weitere Zusammenarbeit mit dem schwäbischen Experten für Automatisierung nach: Funktionalität und modulare Konzeption des Pnozmulti haben überzeugt: „Wir werden in Zukunft auch die Drehzahlüberwachung und die sichere Geschwindigkeit mit dem konfigurierbaren Steuerungssystem Pnozmulti realisieren – das machen wir zur Zeit noch mechanisch, was einen relativ hohen Aufwand darstellt", verrät René Weiss, Leiter der Entwicklungsabteilung für Elektrotechnik bei Starlinger, den nächste Entwicklungsschritt.
Hannover Messe:
Halle 9, Stand D170
Online-Info
www.kem.de/0410413
Pnozmulti „en miniature"
Das Pnozmulti Mini ist mit nur 45 mm Baubreite deutlich kleiner als das 134 mm breite Pnozmulti, zu dem es 100 %ig kompatibel ist. Mit seiner kleinen und kompakten Bauart bietet das Pnozmulti Mini die gleichen digitalen Ein- und Ausgänge wie seine großen Brüder: 20 sichere Eingänge, vier sichere Halbleiterausgänge (gemäß SIL 3, PL e) und vier Taktausgänge. Auch Pnozmulti Mini lässt sich über den Pnozmulti Configurator einfach am PC konfigurieren. Komfortable Diagnosemöglichkeiten garantieren eine hohe Verfügbarkeit.

